Energy-in-Art: Gewinner stehen fest

Die Jury des Energy-in-Art Wettbewerbes der Bioenergieregion Bayreuth hatte keine leichte Aufgabe: Zur Wahl standen über 90 Einsendungen von mehr als 60 Künstlern. Ausgeschrieben waren drei Großskulpturen, die als sichtbare Landmarken und Zeichen der Energiewende in der Region Bayreuth aufgestellt werden sollen. Die drei Sieger kommen aus Pegnitz und Berlin (zweimal) und erhielten jeweils 1.000 Euro Preisgeld. Darüber hinaus wurden je drei zweite und dritte Plätze prämiert. Die drei erstplatzierten Energieskulpturen und neun begleitende Satelliten-Projekte sind in letzen nächsten eineinhalb Jahren zum Teil bereits realisiert geworden.

Standort 1: Mehlmeisel

1. Platz Maik Scheermann (Berlin)

„Holzmantel“

Der verwendete Rohstoff Holz verdeutlicht sowohl dessen forst- und energiewirtschaftliche Nutzung als auch seine kulturhistorische und ökonomische Bedeutung. Die runde Form der Plastik versinnbildlicht eine fiktive Bewegung der Figur aus dem Wald heraus und in den Wald hinein und verdeutlicht damit den Aspekt der nachhaltigen Energieholznutzung. Das Kunstwerk besteht aus einer innenliegenden Stahlkonstruktion mit einer umgebenen Schicht aus Ästen. Diese kräftigen Äste auf der Oberfläche der Kugel verweisen auf die dünne belebte Schicht der Erdkruste, auf der sich alles Leben befindet.
Die Plastik steht für die Zyklen der Natur und der Naturnutzung im Kreislauf aus Bewegung und (scheinbarer) Ruhe. Diese Zustände reflektieren Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft regenerativer Energieträger.

Maik Scheermann

Der gebürtige Berliner ist seit 2002 mit seinen Werken auf Ausstellungen u.a. in Berlin, Weimar, Reykjavik (Island), Oulu (Finland) und Leipzig zu sehen. Er realisierte bereits mehrere Arbeiten im öffentlichen Raum beispielsweise in Südkorea, Bitterfeld und Halle. Dazu kommen Kunstwerke auf Teneriffa und in Österreich. Die Kunstwerke von Maik Scheermann sind zum großen Teil in der Natur als weithin sichtbare Landmarken zu finden. So zum Beispiel „snowman“ in Österreich, „un coup de dés“ auf Teneriffa und „bark“ in Südkorea.

2. Platz David Mannstein und Maria Vill (Berlin)

„Holzscheitdom“

Die insgesamt fünf Meter hohe Skulptur besteht aus einem Edelstahlgerüst, an welches von innen und außen Holzscheite gleicher Länge anmontiert werden. Von außen zeigt sich die Skulptur damit als ein archaisches und gleichzeitig modernes Gebilde, während man im Inneren das umgebende Holz auf sich wirken lassen kann.

David Mannstein und Maria Vill

David Mannstein ist seit 1995 als freischaffender Künstler tätig. Seit 1997 organisiert und leitet er Kunst- und Ausstellungsprojekte und wirkte ab 1999 beim Aufbau und der Koordination der Galerie der Bauhaus-Universität Weimar mit. Maria Vill bekam 2008 den Botho-Graef-Preis, einen Kunstpreis der Stadt Jena, gemeinsam mit David Mannstein verliehen. Auch sie hat bereits an zahlreichen Ausstellungen in Weimar, Genf, Modena und Amiens teilgenommen. Bereits seit 1999 sind die beiden gemeinsam tätig. Eines ihrer Kunstwerke ist die „goldene Blume“, ein Leuchtobjekt aus Edelstahl mit Rundumkennleuchten aus LED, welches vor der Justizvollzugsanstalt Offenburg steht.

3.Platz Markus Hoffmann (Berlin)

„Lumineszenzspace“

Das Lumineszenzspace-Projekt sieht einen mit biolumineszentem Licht erleuchteten Kontemplationsort für Besucher vor. Dabei handelt es sich um einen vier Meter hohen Zylinder. Dieser beherbergt an der Innenseite eine regalartige Wandunterteilung, in der Holzstämme von ca. einem Meter Länge gelagert werden. Die Holzstämme sind mit dem Baumpilz Panellus Stipticus besiedelt und leuchten im Dunkeln intensiv grün. Entlang der Wände im Inneren befindet sich eine Sitzmöglichkeit zum Verweilen. Ein in der Mitte des Raumes errichtetes Wasserbecken verstärkt durch seine Spiegelung den Leuchteffekt.

Markus Hoffmann

Der aus Passau stammende Künstler verwirklicht in seiner noch jungen Künstlerlaufbahn Werke, die auf Basis von Licht und Dunkelheit entstehen und neueste Technik erfordern. Nicht nur bei „Lumineszenzspace“, sondern auch bei anderen Arbeiten spielen dabei verschiedene Pilzgattungen eine entscheidende Rolle. Beispielsweise wurden bei der Arbeit „DECAY“ in St. Petersburg Zeitungsstapel mit kritischen Artikeln zur dortigen Baupolitik mit Pilzen beimpft, in Pilzfruchtkörper transformiert und so in eine ästhetische bzw. physisch essbare Skulptur umgewandelt. Hoffmann begründete das Künstlerkollektiv „das Numen“, welches u.a. das Projekt „Numen H2O“ realisierte, eine Arbeit, die sich mit der Trinkwasseraufbereitung auseinandersetzt.

4. Platz:  Thomas Reuter und Eva Skupin (Winterhausen):

„Den Stein ins Rollen bringen“

5. Platz: Stefan Link (Kallmünz):

„Energiebündel A“

6. Platz: Darius Monser (Thüngen):

„Tipi“

Standort 2: Speichersdorf

1.Platz David Mannstein und Maria Vill (Berlin)

„Photosymbiose“

Die Energie der Sonne wird in dieser Installation in poetische Texte umgewandelt. Lyrische Landschaftsbetrachtungen aus allen Epochen sind auf der Blattachse des überdimensionalen Spitzwegerichblattes zu lesen. Diese Texte leuchten auf der neun Meter hohen Aluminiumskulptur als LED-Laufschrift, die mittels integrierter Photovoltaikanlage betrieben wird. Die Texte werden mit den Menschen vor Ort gesammelt und ausgewählt. Durch den Bezug zu Dichtern und Denkern verschiedener Epochen wird das menschliche Verhältnis zur Natur in unterschiedlichen Zeiten wahrnehmbar, und der Betrachter wird angeregt, sein eigenes, persönliches Verhältnis zur Natur zu erspüren und zu entwickeln.

David Mannstein

David Mannstein ist seit 1995 als freischaffender Künstler tätig. Seit 1997 organisiert und leitet er Kunst- und Ausstellungsprojekte und wirkte ab 1999 beim Aufbau und der Koordination der Galerie der Bauhaus-Universität Weimar mit. Maria Vill bekam 2008 den Botho-Graef-Preis, einen Kunstpreis der Stadt Jena, gemeinsam mit David Mannstein verliehen. Auch sie hat bereits an zahlreichen Ausstellungen in Weimar, Genf, Modena und Amiens teilgenommen. Bereits seit 1999 sind die beiden gemeinsam tätig. Eines ihrer Kunstwerke ist „Hymnes à la nuit“ in Amiens (Frankreich), welches eine ähnliche künstlerische Sprache nutzt, wie das für Speicherdorf geplante Werk „Photosymbiose“.

2.Platz David Sayn (Krumbach)

Ohne Titel

Das Kunstwerk sollte eine Metapher zur Windenergiegewinnung darstellen und eine Höhe von etwa sieben Metern umfassen. Die Skulptur besteht aus Stahl, die Rotoren könnten beispielsweise aus Carbon gefertigt werden. Die bunte Farbgestaltung, die Bewegung und die Größe würden die notwendige Aufmerksamkeit generieren. Bewegung entsteht durch einen mit Windenergie und Magnetismus betriebenen Rotor, der die Skulptur in Bewegung hält und das Augenmerk auf die Dynamik der „Bioenergie“ lenkt. Das Kunstwerk erzeugt außerdem tagsüber Strom, mit dem es nachts zum Leuchten gebracht werden kann. Eine interaktive Komponente wäre ebenfalls denkbar. So könnte der Betrachter z.B. den Stromkreis unterbrechen und die Bewegung stoppen. Die Funktionsweise der Skulptur würde somit spielerisch erfahren werden.

David Sayn

Der besonders vielseitige Künstler stammt gebürtig aus dem Kölner Raum und absolvierte ein interdisziplinäres Studium der Architektur, Kunst, Fotografie, Goldschmiedekunst und Bildhauerei. Im Rahmen der Expo 2000 realisierte er in Bitterfeld eine 30 Meter hohe Landmarke (Aussichtsturm) als Außenprojekt. Weiterhin war er Kurator von mehreren Leonardo Da Vinci-Ausstellungen, in denen nach den Originalskizzen fast 100 Maschinen nachgebaut wurden. Neben den Kunst und der Architektur ist David Sayn als Buchautor und Fotograf tätig.

3.Platz Annette Hähnlein (Röslau)

„Gute Aussicht“

Die beiden Metallplatten aus denen das Kunstwerk besteht, sollten sowohl räumlich als auch symbolisch im Spannungsfeld zwischen Windkraft und Biogasanlage stehen. Je nach Blickwinkel formen die Platten eine Glühbirne, die als Aufforderung für einen bewußten Umgang mit Energie und einem verantwortungsvollen Nutzen von Naturgewalten und nachwachsenden Rohstoffen stehen sollen.

Annette Hähnlein

Die Werke der Künstlerin sind bereits seit 1991 in Einzel- und Gruppenausstellungen beispielsweise in Köln, Nürnberg und München zu sehen. Darüber war sie auf der grenzüberschreitenden Landesgartenschau in Marktredwitz mit zweien ihrer Kunstwerke vertreten. Neben Ausstellungen veranstaltet Annette Hähnlein auch Workshops mit Jugendlichen und Erwachsenen. Eines davon ist „Hoffnung“, ein interkulturelles Kunstprojekt der Brücken-Allianz Bayern-Böhmen. Ein anderes ist die Fertigung von lebensgroßen Holzreliefen für das Lehmspieldorf Makunaima in Berlin.

4. Platz: Egidius Knops (Berlin):

„Gebändigtes Feuer“

5. Platz: Norbert Zagel (Langweid):

„Ohne Titel“

 

6. Platz: Stanislaw Glowacki (Steinberg am See):

„Energiereflexion“

Standort 3: Bayreuth

1.Platz Hannes Neubauer (Pegnitz)

„INDIKATOR“

Das Kunstwerk „INDIKATOR“ soll mit seiner Größe von 7 – 8 Meter nicht nur eine Landmarke darstellen, sondern ebenfalls eine Vermittlerrolle einnehmen, indem es den Standort als Schnittstelle zwischen städtischem und ländlichem Raum begreifbar macht. Das Kunstwerk folgt exakt der Sonne, der Energiequelle für alles Leben und Wachstum auf der Erde. Durch die rotierende Bewegung vollzieht es eine Wende, die symbolisch für die Energiewende steht. Der dafür notwendige Mechanismus ist nach dem gleichen Prinzip ausgeführt wie bei modernen nachgeführten Solaranlagen. Als Energiequelle dienen Solarmodule mit einem Pufferspeicher. Zusammenfassend veranschaulicht der „INDIKATOR“ den Energiefluss von der Sonne zur Erde, die Energieumwandlung auf dem Land und den Energietransfer vom „Landraum“ in den „Stadtraum“.

Hannes Neubauer

Der Entwurf stammt aus der Feder des in Marktredwitz geborenen Künstlers Hannes Neubauer. Derzeit macht er seinen Master of Fine Arts an der Bauhaus-Universität Weimar mit dem Schwerpunkt „Kunst im Öffentlichen Raum und neue künstlerische Strategien“. Der bereits mehrfach im Ausland tätige Künstler erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Im Jahr 2012 wurde ihm vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie der Bundespreis für hervorragende Innovatorische Leistungen für das Handwerk mit Auszeichnung verliehen. Bereits umgesetzte Werke sind exemplarisch: „Coffee Bean“, ein Stadt-Kunstwerk an der Universidad CUN in Kolumbien, oder, etwas regionaler, die Großskulptur „Hand-Werk“ in der Kirche St. Marien zum Gesees.

2.Platz Bernd Wagenhäuser (Bamberg)

„Ohne Titel“

Sein Entwurf stellt ein Objekt, ähnlich eines Karrens, dar und soll einen Holztransporter symbolisieren. Damit wird ein direkter Bezug zum benachbarten Hackschnitzelwerk hergestellt. Das Kunstwerk bietet aber auch genügend Ansätze für die eigenkreative Interpretation des Betrachters. Bestehend aus besonders wetterfestem Cortenstahl wird es mit der Zeit von einer Patina überzogen, wodurch ein stetiger Veränderungsprozess symbolisiert wird.

Bernd Wagenhäuser

Bernd Wagenhäuser wurde 1953 in Hanau geboren, studierte an der Hochschule für Gestaltung in Wiesbaden und lebt in Bamberg. Seit 1982 beteiligte er sich an zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland (u.a. München, Frankfurt, Berlin, Graz und Budapest). Im Jahr 2009 erhielt er den Berganza-Preis des Kunstvereins Bamberg. Seine Schaffenskraft widmet er vor allem Kunstwerken aus Stahl und Aluminium. Mit seinen Kunstwerken ist er vorwiegend in Oberfranken vertreten und gestaltete dabei u.a. eine Großplastik für den „Mittelpunkt Oberfranken“ in Kasendorf, den Brunnen für den Bürgerplatz in Eckersdorf und eine Großplastik für den Markusplatz in Bamberg.

3.Platz Hubertus Hess, Thomas May (Nürnberg)

„Blumenwolke“

Nach der Vorstellung der beiden Künstler sollte die „Blumen-Wolke“ über der Weide der Landwirtschaftlichen Lehranstalten schweben. Durch den Durchmesser von vier Metern, den dreieinhalb Meter hohen Stiel und die nächtliche Beleuchtung mit Schwarzlicht wird die Bedeutung der Lehranstalten als „grüner Leuchtturm“ herausgehoben. Die Beleuchtung erfolgt über Solarzellen und Batterien als Pufferspeicher. Die „Blumen-Wolke“ symbolisiert weit sichtbar den Wandel der Region und die Modernität der Landwirtschaftlichen Lehranstalten.

Hubertus Hess, Thomas May

Hubertus Hess studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg und hat bereits in zahlreichen Ländern weltweit gearbeitet (u.a. Japan und Indien). Exemplarische Auszüge aus seiner Karriere sind die Gestaltung des Mahnmals der Sinti und Roma in Nürnberg (2000) und die Neugestaltung der Erlöserkirche in Schwandorf 2011.
Thomas May studierte ebenfalls an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. In den letzten Jahren widmete er sich vor allem der Realisierung seines „GrashalmProjekts“ in unterschiedlichsten Ländern weltweit (u.a. China, Finnland und Japan) und lehrte zusätzlich an Hochschulen im In- und Ausland. Im Jahr 2009 beteiligte er sich mit dem „Grashalminstitut“ an der Bundesgartenschau in Schwerin.

4. Platz Matthias Braun (Würzburg):

„High Voltage“

5. Platz: David Mannstein und Maria Vill (Berlin):

„Sein und Zeit“

6. Platz: Stefan Link (Kallmünz):

„Ähre“

 

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